Home
Kontakt
Jahreslosung
Monatsspruch
Ev. Christuskirche
Kinderspielecke
Gottesdienste
 Termine
Aus unserer Gemeinde
Gemeindebrief
Danke
Kiga Arche Noah
Kirchenvorstand
Konfirmanden
Aktivitäten
Rückblick
Cartoon
Geschichte
Gemeindezentrum
Kirchenbau
Spenden und Kirchgel
Interessante Links
Gästebuch
Impressum

BAU DER KIRCHE

1. DIE VORGESCHICHTE

Thannhausen hat einen Bauplatz für eine evangelische Kirche.“

Diesen Satz findet man in der August-Nummer der „Nachrichten aus dem Kirchenbezirk Neu-Ulm“ des Jahres 1962, der Beilage des „Allgemeinen Sonntagsblatts“.
Der 16.Mai 1962, an dem der Kaufvertrag von Pfarrer Brüderlein und Dr. Gernet unter-zeichnet wurde , gilt als Geburtsstunde der Thannhauser Kirche mit Gemeinderaum.
Dieser 16.Mai des Jahres 1962 ist jedoch nur ein Datum auf einem Stück Papier, auf einer Urkunde. Die „geistige Geburtsstunde“ der Idee für eine Kirche mit Gemeinderaum liegt nicht „schwarz auf weiß“ fest, sie ist aber sicher etwa 10 Jahre früher zu datieren. Für die damalige evangelische Gemeinde so bedeutsame Namen wie Frau Berta Gernet, Dr. Claus Gernet, Hans Eckhardt, Johann Lindner und Heinrich Rückert müssen in diesem Zusammenhang erwähnt werden,. Und natürlich Pfarrer Alfred Brüderlein, seit seinem Amtsantritt 1948 in Burtenbach ein unermüdlicher Verfechter Thannhauser Interessen.

In überaus guter, ja freundschaftlicher Zusammenarbeit mit Bürgermeister Hans Bronnen-maier und dem katholischen Amtskollegen Dr. Rupert Heiß war es Pfarrer Brüderlein bereits 1949 gelungen –wir erwähnten es bereits – beim Grafen von Schönborn die Erlaubnis zu erhalten,  in der Stadionkapelle alle 2 Wochen sonntägliche Gottesdienste und auch alle anderen kirchlichen Dienste durchzuführen. „So dankbar diese Lösung auch begrüßt wurde, erkannte man doch schon in den fünfziger Jahren, dass sie auf die Dauer nicht genügen werde. Daher trug Pfarrer Brüderlein seit damals beim Evang.-Luth. Landeskirchenamt in München unermüdlich seine Auffassung über einen für Thannhausen notwendigen und bald zu planenden Kirchenbau vor. Seine Hinweise fanden zunächst wegen der erheblichen Aufwendungen, die bereits für die baulichen Maßnahmen an der evangelischen Kirche in Burtenbach zugesagt waren, wenig Gehör. Diesen Tatsachen konnte sich auch er nicht verschließen, und er war sich darüber im klaren, dass er den Kirchenbau in Thannhausen seinem Nachfolger werde hinterlassen müssen als ein Erbe, das viel Arbeit und Mühe mit sich bringen würde.“
                                                                                                                        (Brüderlein)

Ein Grund zur Resignation waren diese wenig rosigen Aussichten für die Thannhauser nicht. Bereits im Jahre 1961 beschloss der Kirchenvorstand, für die auf über 400 Seelen angewachsene Thannhauser Kirchengemeinde und für die evangelischen Glaubensgenossen der Umgebung die Planung eines Kirchenzentrums in Angriff zu nehmen. Aber erst nach längeren vergeblichen Bemühungen konnte schließlich durch Vermittlung von Kirchenvorsteher Dr. Gernet im Sommer 1962 der Bauplatz erworben werden: 1800 m² zum Preis von 35.390 DM. Es war ein Grundstück im Herzen Thannhausens, an der Ecke Jakob-Zwiebel-Hofanger Straße gelegen, an der Ostseite durch den Mindelweg begrenzt. Der erste Schritt war damit getan, die Aussicht auf ein eigenes kirchliches Zentrum deutlich gestiegen. Diese Aussicht auf ein „eigenes Heim“ ließ bei den Evangelischen in Thannhausen „ein neues und kräftiges Gemeindebewusstsein wachsen, und immer wieder konnte man die ungeduldige Frage hören: Wann können wir endlich mit dem Bau beginnen? Die Gemeindekreise, die Jugend, der Kirchenchor und die Besucher der Bibelstunden, die oft nicht wussten, wo sie sich versammeln sollten, blickten gespannt in die nahe Zukunft, die ihnen eigene Räume verhieß“. (Brüderlein)

Für viele Thannhauser symbolisierte Senior Brüderlein das unbeirrbare Streben nach dem Gemeindezentrum; sein Ruhestand ließ bei einigen Gläubigen Zweifel und Ungewissheit über die rasche Realisierbarkeit des großen Vorhabens aufkommen. Pfarrer Gotthold Karrer, der 1963 von Rosenheim kommend, die Nachfolge Brüderleins übernahm, stand diesem in persönlichem Einsatz und Engagement für die Thannhauser Interessen in nichts nach.
„In aller Stille, aber nicht ohne Mühe, auch nicht ohne Verdruß entstand im Einvernehmen mit dem Landeskirchenrat ein Raumprogramm, das eine Kirche mit 150 festen und 50 nicht festen Sitzplätzen, eine Sakristei, einen Gemeinde- und einen Jugendraum, ferner eine kleine Mesnerwohnung vorsieht, und mit dessen Vorplanung Architekt Baron von Malsen aus Neu-Ulm beauftragt wurde.“ (Brüderlein). Jahre intensiver und anstrengender Arbeit vergingen, viele Fahrten zum Landeskirchenrat nach München wurden unternommen, bis endlich im Jahre 1965 die Landeskirche den Baubeginn erlaubte und die nötigen Zuschüsse in Aussicht stellt. Allerdings durfte zunächst nur die Kirche selbst errichtet werden, die mit ihrem Turm auf immer 320.000 DM veranschlagt wurde. (Die Baukosten für das gesamte damalige Bauvorhaben wurden auf eine halbe Million DM veranschlagt.)

 

2. DER KIRCHENBAU

Anfang Dezember 1965 konnte der erste Spatenstich für  die neue CHRISTUS-Kirche getan werden. Pfarrer Karrer, der Kirchenvorstand und auch Vikar Walter Hager hatten ihr erstes Ziel erreicht. Vorher allerdings waren eine Menge Bittgesuche zu schreiben und die Finanzierung zu sichern gewesen. Nachdem der Vorsitzende des schwedischen Gustav-Adolf-Werkes in Bayern, Kirchenrat Finkenscher in München, bereits eine erste Spende in Höhe von 3000 schwedischen Kronen als Gabe schwedischer Glaubensgenossen überwiesen hatte, erlebte die  Kirchenleitung eine große Überraschung, als das gleiche Gustav-Adolf-Werk von den drei großen Liebesgaben, die es alljährlich zum Jahresfest verteilt, mit der höchsten Spende im Betrage von DM 15.000,-- bedachte. Dankbar muß hier auch der kräftigen Finanziellen Hilfe der Stadt Thannhausen (unter den Bürgermeistern Donderer und Mayer), die DM 10.000,--, ferner der Firmen, die rund DM 9.000,-- zur Verfügung stellten, gedacht werden. Ein besonders schönes Zeichen für das erfreulich gebesserte konfessionelle Klima in Thannhausen aber erkannte man darin, dass auch viele Katholiken das Vorhaben des Baues einer evangelischen Kirche durch ihre Gaben förderten.

Der Kirchenbauer, Architekt Frhr. von Malsen aus Neu-Ulm beschreibt den Kirchenbau selbst:

„Kirche und Gemeindehaus stehen an einer versetzten Straßenkreuzung, deren östlicher Abzweig als Zufahrt zu neueren Wohnhäusern und wegen seiner Breite die größere Bedeutung zukommt als dem  westlich einmündenden Verbindungsweg. Aus dieser städtebaulichen Situation ergab sich der Gedanke, mit einem achteckigen Rundbau die schwingende Bewegung der östlich abzweigenden Straße zu unterschreiben und durch möglichstes Zurückrücken aller Baukörper an die nördliche Grundstücksgrenze eine platzartige Erweiterung am Kopf dieser Straße zu gewinnen. Eine hier schon bestehende Baumbepflanzung am Straßenrand sollte möglichst in die Bebauung einbezogen werden. So wurde mit diesem platzartigen Kirchenvorplatz eine Zäsur und damit ein Ruhepunkt in der Folge oft gleichgearteter Straßenzüge gewonnen. 

Der freistehende Turm mit seinen zwei Glocken zeigt diese Bewegung schon im Verlauf der Jakob-Zwiebel-Straße von weitem an. Mit seiner schlanken Höhe behauptet er sich gegen die vorhandene und zukünftige Straßenbebauung und gibt dem relativ kleinmaßstäblichen Gemeindezentrum den notwendigen Akzent. Das sich östlich der Kirche anschließende Gemeinde- und Mesnerhaus bildet mit seinem Hof einen eigenen, kleinen, internen Bereich. Das Achteck der Kirche bestimmt auch sein Inneres als Gemeindekirche, in der mit der Anordnung der segmentartig und an der Wand umlaufenden Bestuhlung Gemeinde und Altarzone weitgehend einander zugeordnet sind und die Gemeinde gewissermaßen den ganzen Altarbereich umschließt. Die achsiale Anordnung von Taufstein – Altar und Kanzel unterstreicht die Ausrichtung der Gemeinde auf diesen einen Raum des liturgischen Geschehens. Materialmäßig sollte sich die Kirche auf die eigenen heimischen Baustoffe beschränken. Ein 60 cm starkes Ziegelmauerwerk mit innen sichtbarer Verfugung trägt den auf Stahl- und Betonkonsolen ruhenden zeltartig gefalteten Holzdachstuhl mit seiner Bretterverkleidung. Die Bestuhlung, aus gewachster Fichte für etwa 200 Sitzplätze steht auf einem roten Klinkerboden, die kleine Musikempore versucht sich auf ihren schlanken weißen Stahlstützen und ihrer transparenten Wendeltreppe ohne Störung des Raumes diesem einzuordnen und die Reihung der kleinen quadratischen Fenster mit ihren tiefen Leibungen begleitet die kreisförmige Bestuhlung, die aufstrebenden Giebelecken werden durch hochgezogene Fenster betont. Die Altarinsel besteht aus geschliffenem Solnhofer Kalkstein. So sollten die Einfachheit des Materials, die bewegte Form des Kirchenraumes zu Klarheit und Ausgewogenheit führen.

Zur bisherigen künstlerischen Ausgestaltung verhalfen neben den Paramenten Eva Moshak mit Altarkreuz, Leuchtern, Kanzelpult und der ornamentartig verzierten, in ihrer Form klaren Taufschale, sowie Walther Senf mit seiner Gestaltung der bleigefassten Fenster (beide aus München).“ 

Nach der relativ kurzen Bauzeit von einem Jahr stand die Einweihung bevor. In der breiten Öffentlichkeit fanden das neue Gotteshaus und die Einweihungsfeierlichkeiten große Beachtung. So widmeten die MITTELSCHWÄBISCHEN NACHRICHTEN am 31.10.1966 dem evangelischen Gotteshaus zwei reichlich bebilderte Sonderseiten, in denen u.a. nochmals ein interessanter Rückblick gegeben wird.

 

3. DIE ALTARWAND

Erinnern wir uns noch einmal kurz: Im Jahre 1963 war Pfarrer Brüderlein in den Ruhestand getreten; 1965 erfolgte der erste Spatenstich für die Christuskirche. Inzwischen notieren wir das Jahr 1971. Vor acht Jahren hatte sich Pfarrer Brüderlein vom aktiven Dienst „zurückgezogen“. Doch wörtlich war dies nicht zu nehmen. Während die „Aktiven“ der Thannhauser Kirchengemeinde noch Schulden“berge“ mehr oder weniger stark drückten, hatte der „Ruheständler“ Alfred Brüderlein bereits neue Pläne für die Thannhauser Kirche geschmiedet und auch in die Tat umgesetzt. Eine Stiftung „Altarwand“ war von ihm ins Leben gerufen worden. Sie sollte durch Spenden die Anschaffung zweier Altarbilder finanzieren. Pfarrer Brüderlein machte sich seinerzeit auch die Mühe, zur Übergabe der Bilder ein „Gedenkblatt“ unter dem Titel „Herr, ich hab lieb die Stätte Deines Hauses“ zu verfassen. Der Reinerlös dieser kunstvoll aufgemachten Schrift kam ebenfalls der Stiftung zugute.
Die Vorgeschichte zu der Altarwand beschreibt Pfarrer Brüderlein selbst mit den Worten:
„Bei der Planung der Kirche in Thannhausen wurde damals für die Rückwand der Altargruppe eine Plastik vorgeschlagen. Bewusst wollte man nicht das sonst übliche Kreuz – solches steht ja schon auf dem Altar. Man dachte an eine Jesusfigur mit einer einladenden Geste, hinweisend auf den davorstehenden Taufstein, Altar und Kanzel.
Der Ausschuss zu dieser Stiftung, gebildet aus dem Vertrauensmann des Kirchenvorstandes Thannhausen, Herrn Dr. Claus Gernet, dem Kirchenpfleger, Herrn Lindner und meiner Wenigkeit; sowie als Berater, dem Architekten der Kirche, Herrn Baron Malsen aus Neu-Ulm, ging verschiedenen Anregungen und Vorschlägen nach: Von einer Holzplastik (Holschnitzerei aus Oberammergau, darstellend den einladenden Christus nach Thorwaldsen) kam man zu einem filigranartigen Symbol, von der Decke herabhängend in Kreisform. Auch der Gedanke, statt einer Darstellung Christi ein Jesuswort in Bandform aus Kupfer anzubringen (CHRISTUS, DER WEG, DIE WAHRHEIT, DAS LEBEN) stand zur Diskussion.
Schließlich einigten wir uns auf den Vorschlag des Akademieprofessors Arnold aus Karlsruhe...“

Die Kosten beliefen sich zu seinerzeit auf etwas über 10.000 DM.
Der schon erwähnten Schrift entnehmen wir auch einige Erläuterungen zu den beiden Bildtafeln aus der Feder des Künstlers selbst.
Kunstmaler Klaus Arnold war damals Professor an der Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe und betreute Klassen für Malerei, Graphik und angewandte Kunst. Er hatte sich mit verschiedenen künstlerischen Arbeiten u.a. in Hamburg, Hannover, Lübeck, Heidelberg, Konstanz, Pforzheim, Mannheim, Ludwigshafen und Ulm einen Namen erworben.
Zu den Thannhauser Bildtafeln schrieb er: „Der Architekt der Kirche, Herr Baron von Malsen, nahm mich mit zum Besuch der evangelischen Kirche in Thannhausen. Der Kirchenraum sollte eine künstlerische Ergänzung bekommen, die ihn schmückt, ihn aber auch Verdichtung in seiner Bestimmung, eines Raumes der Konzentration auf ihr Grundthema – der Verkündigung – gibt.

Meine Idee war, den Raum konsequent von dekorativen Elementen freizuhalten und durch eine gemalte Aussage in zwei Tafelbildern eine konkrete Thematik der Bestimmung des Raumes zuzuordnen und schon in der Wahl der Formate eine strenge Anordnung in der Altarwand zu erreichen.
Ein langes Gespräch mit Herrn Pfarrer Brüderlein und Herrn Dr. Gernet ergab den Vorschlag der Thematik. Es sollten der „lernende Christus“ und der „lehrende Christus“ dargestellt werden. ...
Ich begann mit meiner Arbeit an zwei kreisrunden Bildtafeln aus verleimtem Holz mit einem Durchmesser von 1,30 m.
Diese Arbeit ist für einen Maler heute eine sehr schwere Aufgabe. Es steht uns kein Hilfsmittel – wie etwa das des Pathos oder der Anekdote – zur Verfügung und während der Arbeit war dies die Schwierigkeit, aber auch die Schranke, die keinerlei Routine zuließ.
Ich musste mich durch die Thematik auf die Sache konzentrieren und versuchen, sie sichtbar zu machen.
So stellte ich den „lernenden Christus“ dar als Mittelpunkt – als kleine, frontale Figur, aber beherrschend durch Gestik und Hell-  und Dunkelkontrast vor einer Säule. Diese Säule ist das Bauwerk der Tradition – davor der gespannte, junge Christus.
Auf der linken Seite im Halbdunkel des Tempelraums drei Patriarche, die die altehrwürdige Überlieferung deutlich machen. Auf der rechten Seite vier Männer, die in ihrer Haltung realistischer sind, einer, der der Christusfigur am nächsten ist, hält die Bibel (das alte Testament) – dann der jüngere Mann und davor eine sitzende Figur, die streng in das Bild eingeordnet ist.
Der „lehrende Christus“ nimmt dieselbe Handlung ein, wie der „lernende“, nur genau in der gleichen Haltung gedreht, so dass sein Rücken dem Beschauer zugewandt ist. Seine Gestalt beherrscht das Format bis zum unteren Rand. Ich versuchte, durch die blaue Farbe dem Bilde etwas „Welt-Weites“ zu geben – wie die Menschen in einer Einöde in den Kreis des Hörenden treten. Im Gegensatz zu dem Bild des „lernenden Christus“ sind die Zuhörer und herbeigekommenen Menschenfiguren hier durch den Hell-Dunkelkontrast deutlich gemacht und der „lehrende Christus“ entspricht in seiner Farbigkeit dem Gesamtton des Bildes. Dies ist mein Grundgedanke und ich hoffe, dass für die Assoziationen des Betrachtenden genügend Spielraum bleibt. Dazu gehört, dass ich bei der Gestaltung des „lehrenden Christus“ bewusst auf die Formulierung des Gesichts verzichtet habe, um nicht durch meine Sicht die Vorstellung des Betrachtenden zu verformen.
Für diese Malerei wandte ich eine uralte Technik an, nämlich eine Emulsion aus Bienenwachs, Harz und Leim. Die ältesten Zeugnisse der Malerei sind in dieser Technik gemalt und sie gewährleistet eine lange und gleichbleibende Haltbarkeit der Farben.“

4. DIE ORGEL

Ein weiterer Meilenstein in der Thannhauser Kirchengeschichte war die Einweihung der neuen Orgel am 3.Mäz 1974.

Es war also endlich soweit: Das alte Harmonium – ein Überbleibsel aus den Zeiten der Gottesdienste in der Stadionkapelle – hatte endgültig ausgedient. Acht Jahre nach dem Umzug in die eigene Christuskirche fand der Einweihungsgottesdienst für die neue Orgel und ein anschließendes Festkonzert statt. Dies war zugleich ein vorläufiger Abschluss der Bau- und Ausstattungsarbeiten für die Kirche in Thannhausen.

Und so hatte dieser letzte Abschnitt begonnen:

An einem Spätwintertag war nachmittags ein Lastwagen der Firma G. F. Steinmayer aus Öttingen an der Kirche vorgefahren. Im Beisein des damaligen Vikars Eberhard Schmidt luden einige Gemeindemitglieder mit den beiden Orgelbauern unzählige Einzelteile aus und stapelten sie auf den Bänken der Kirche, viel kompliziert aussehendes Kleinzeug, natürlich auch verschiedenste Orgelpfeifen aus Holz und Metall, aber so recht konnte sich niemand vorstellen, dass daraus einmal eine Orgel entstehen sollte. Umso eindrucksvoller war dann das Bild nach der Fertigstellung.

Die neue Orgel hat zwei Manualwerke und ein selbständiges Pedalswerk mit insgesamt 10 Registern. Sie hat Schleifladen und eine rein mechanische Traktur, ist also wie eine Barockorgel konstruiert. Ungefähr 700 Pfeifen bringen sie zum Klingen.

Diese Orgel wurde so geplant, dass sie nicht nur zur Begleitung der Choräle dienen sollte. Man kann mit ihr fast alle Werke der Orgelliteratur spielen, von Bach über Reger bis zu Stockmeir. Beim Bau der Orgel bemühte man sich architektonisch dem Innenraum der Kirche gerecht zu werden. Das Instrument ist also akustisch und architektonisch ein kleines Schmuckstück.

Beim Festgottesdienst am 3.März 1974 stellte der damalige Bezirkskantor Hans Joachim Pluskat aus Neu-Ulm mit Werken von F. Mendelsohn-Bartholdy und J.S. Bach die neue Orgel der Öffentlichkeit vor. Durch den Posaunenchor von Krumbach unter Leitung von Claus Lamey wurde der Gottesdienst festlich umrahmt. Nachmittags um 17.00 Uhr fand ein Kirchenkonzert statt. Herr Pluskat zog nochmals alle Register. Durch die Mitwirkung des Sängerbundes Thannhausen wurde dieses Konzert vielseitiger ausgeschmückt.

Dieser Sonntag der Orgeleinweihung war ein Festtag für alle Gemeindemitglieder. Es zeigte sich bald, dass die anfängliche Sorge um die Finanzierung unbegründet war. Durch die Opfer- und Spendenbereitschaft der Thannhauser Gemeinde konnte die Orgel bald restlos abgezahlt werden.

Interessant ist auch die zusammenfassende Darstellung zur „liebgewonnenen Stadionkapelle“:

 

17 JAHRE EVANG. GOTTESDIENST IN DER STADIONKAPELLE

- Nun endet der Notbehelf – Blick auf die Geschichte -

 

Seit mehr als 17 Jahren hat die Stadion-Kapelle den Evangelischen als Gotteshaus gedient. Betrachten wir aus diesem Anlass die Geschichte dieses Bauwerks. Die Kapelle geht auf das Jahr 1791 zurück und steht auf dem Platz der alten jüdischen Synagoge. Aus diesem Grunde wird sie im Volksmund auch heute noch „Judenkapelle“ genannte. Der Name „Stadionkapelle“ stammt von den damaligen Besitzern der Reichsgrafschaft Thannhausen, den Grafen von Stadion, die einst Inhaber der Herrschaft Thannhausens waren. Im Jahre 1706 nahm Graf Johann Philipp von Stadion die Reichsgrafschaft in seinen Besitz. Er hatte die Gemeinde von Kurfürst Johann Wilhelm Pfalzgraf bei Rhein erworben, dessen Vorgänger Graf von Sinzenberg war. Schon bald nach der Inbesitznahme erbat sich der Graf beim Kaiser die Erlaubnis, die Juden ausweisen zu dürfen. Dies wurde ihm 1718 gewährt und schon ein Jahr später wurde die Synagoge samt der anschließenden Judenschule abgerissen. Am 17.September des gleichen Jahres stiftete Graf Philipp von Stadion 1500 Gulden zum Bau einer Kapelle auf dem Platz der alten Synagoge. Am 8.August 1720 wurde in feierlicher Weise der Grundstein zur Kapelle gelegt, deren Bau sich anschließend volle drei Jahre hinzog. Sie wurde in der Hauptsache von einheimischen Handwerkern errichtet, nur das Altarbild, die Glocke und die Monstranz stammen von Augsburger Meistern, während der Dachstuhl in Ulm gefertigt wurde. Die Gesamtkosten beliefen sich einschließlich Einrichtung und Messgerät auf 4991 Gulden und 44 Kreuzer. Die Einweihung nahm der Augsburger Weihbischof Johannes Jakobus am 18.Oktober 1722 vor, während der erste Gottesdienst am 8.April 1723 stattfand.

Neben einigen kleineren Verbesserungen wurde die Kapelle im Jahre 1935 renoviert, wobei auch das Bergmiller-Gemälde freigelegt und konserviert wurde. Das wohl bemerkenswerteste Stück im Innern der Kapelle stellt der uralte ehemalige Opferstock dar, der noch aus der Judensynagoge stammt. Sonst wäre noch das Altarbild von Bergmiller zu erwähnen, das den Grafen von Stadion mit seinen drei Frauen in der Anbetung des Allerheiligsten in der Monstranz zeigt, wobei seine Kinder als Flamme dargestellt sind.

Nachfolgend noch einige Daten über gottesdienstliche Handlungen in der Stadion-Kapelle, nachdem die Evangelischen hier ihre Gottesdienste abhalten durften:

- Erste Taufe am 18.Dezember 1949 (Angelika Anzenhofer aus Thannhausen)
- Erste Konfirmation am 23.April 1950 (6 Konfirmanden und 6 Konfirmandinnen aus  

   Thannhausen, Ursberg, Premach und Nettershausen)
- Erste Trauung am 15.Oktober 1950 (Hauptwachtmeister der Landespolizei Albert Kleinle mit

   Emilie Selzer aus Thannhausen)
- Erste Beerdigung mit Gottesdienst am 6.Juni 1950 

   (Forstoberinspektor a.D. Konrad Bub aus Augsburg)

- Letzter Gottesdienst 16.Oktober 1966

 

 

................................................................................................................................................................


pfarramt.thannhausen@elkb.de